275 Jahre Heiliger Faustinus in Erbendorf
Heuer blickt die Pfarrgemeinde dankbar auf 275 Jahre der Verehrung des heiligen Faustinus in Erbendorf zurück. Seit 22. Juli 1751 ruhen Reliquien (= Gebeine oder Überreste der Kleidung) des frühchristlichen Heiligen in der Lorettokapelle, gefasst in einer Wachsfigur, unter dem Altar. Am Gedenktag des Heiligen, am 29. Juli, feierten wir eine Messe in der Lorettokapelle. Zu Beginn des Gottesdienstes stellte Johannes Dostler den Heiligen und seinen Bezug zu Erbendorf kenntnisreich dar. Eine Tafel am Eingang zur Lorettokapelle zeigt das diesjährige Jubiläum an. Zettel mit einem „Faustinus-Gebet“ liegen in der Lorettokapelle auf.
Hintergrund: Der heilige Faustinus und Erbendorf
Die Geschichte des heiligen Faustinus verbindet das Martyrium der frühen Christen im antiken Rom mit der barocken Frömmigkeitskultur der Oberpfalz. Um 304 n. Chr. verweigerte Faustinus gemeinsam mit seinem Bruder Simplicius unter Kaiser Diokletian das Opfer für die römischen Staatsgötter. Daraufhin wurden die Brüder gefoltert, an der Via Portuensis enthauptet und in den Tiber geworfen. Ihre Schwester Beatrix barg die Leichname unter Einsatz ihres Lebens und bestattete sie in den Katakomben der Generosa, bevor auch sie wenig später das Martyrium erlitt. Im 7. Jahrhundert ließ Papst Leo II. die Gebeine bergen und in die Kirche San Nicola in Carcere überführen.
Jahrhunderte später, im Zeitalter der Gegenreformation, wurden die Gebeine der Märtyrer als sogenannte „Katakombenheilige“ in katholische Regionen verlegt, um den Glauben der Bevölkerung zu stärken. Die Gebeine des heiligen Faustinus gelangten so in die päpstliche Heiligtumskapelle im Lateran. Mitte des 18. Jahrhunderts gelang es dem Erbendorfer Pfarrer Johann Michael Pfreimdter mit großem Geschick, die Reliquie direkt aus dem päpstlichen Schatz für seine Heimatgemeinde zu erwerben.
Am 22. Juli 1751 feierte Erbendorf das Eintreffen der Reliquie mit einem historischen Triumphzug. Auf dem Marktplatz versammelten sich Geistlichkeit und Bürgerschaft zu einem feierlichen Singspiel, bevor der Reliquienbehälter in einer Prozession zur Stadtpfarrkirche Mariä Himmelfahrt und schließlich in die neu errichtete Lorettokapelle überführt wurde. Auch die großen Stadtbrände – zuletzt im Jahr 1797 – überstanden die Reliquien unbeschadet.
Um die Gebeine dauerhaft zu schützen und würdig zu präsentieren, hüllte sie der Erbendorfer Lebkücher und Wachszieher Johann Baptist Schultes im Jahr 1850 in eine lebensgroße Wachsfigur. Diese stellt den Märtyrer seitlich liegend dar, bekleidet nach barocker Tradition. In den Händen hält er einen Palmzweig als Siegeszeichen des Geistes über den Tod und einen Kelch als Symbol für das in Christi Namen vergossene Blut. Seit der Umgestaltung des Altarbereichs im Jahr 1857 blicken Gläubige beim Betreten der Kapelle durch eine Glasscheibe direkt auf den Heiligen.
Das Zeugnis des jungen Märtyrers bleibt über die Jahrhunderte hinweg ein strahlendes Vorbild und eine Mahnung, auch in unruhigen Zeiten mutig für den eigenen Glauben und persönliche Überzeugungen einzustehen.



Text und Bilder: Johannes Dostler
